Wie eine selbstmörderische Verwaltung die neugewonnene Freiheit der Schweizer Währung verdunkelt

Die SNB beehrt uns innerhalb einer Woche mit zwei wesentlichen Nachrichten Schlag auf Schlag. Die erste betrifft die Bekanntgabe eines Gewinns von 38 Milliarden Franken, der sowohl Dividendenauszahlungen wie auch den Aufbau von Rückstellungen versprach! Ein Geschenk des Himmels, das Abgeordnete und Bürger auf Anhieb erfreute. Sodass es diesen letzten fast an Worten fehlte, um den Professionalismus der nationalen Institution zu loben.


http://www.snb.ch/de/mmr/reference/pre_20150109/source/pre_20150109.de.pdf
Jedoch wirkte die zweite Information vom 15. Januar wie eine Bombe auf die Schweizerische Bevölkerung. Die SNB schaffte den Mindestkurs für den Euro ab, und verwickelte sich dabei in Erklärungen, deren Stichhaltigkeit wir Sie selbst abschätzen lassen.
http://www.snb.ch/de/mmr/reference/pre_20150115/source/pre_20150115.de.pdf
Augenblicklich verlor der Euro mehr als 14% , um das Niveau von 1.02 zu erreichen. Eine Wende, deren Auswirkungen sich direkt auf die Bilanz der SNB niederschlagen werden, die letztendlich vom Schweizer Steuerzahler garantiert ist.
A – Die starrköpfige Realität der Bilanz der SNB
In Wirklichkeit sieht die Bilanz der SNB des 21. Jahrhunderts eher wie die eines riesigen Hedgefonds aus, der die Unabhängigkeit und unmittelbare Zukunft der Einrichtung gefährdet. Dazu wird diese auf der Schweizer Börse quotierte anonyme Gesellschaft, die verfassungsgemäss dem Bund untersteht, nur von einem amerikanischen Privatunternehmen geprüft, das sie selbst finanziert.
Am beunruhigendsten ist jedoch das Gefühl, dass die SNB lediglich als eine Verlängerung der Europäischen Zentralbank handelt. Uns beunruhigen rein objektive Beobachtungen, die auf der Website der SNB veröffentlicht sind, wie z. B.:
1. Eine massiv aufgeblähte Bilanz:

Die Bilanz der SNB hat von 2004 bis November 2014 um fast das 4,5-Fache zugelegt. Dies stand in keinem Verhältnis zum Wachstum des Schweizer BIP oder zur Entwicklung des Landes im Allgemeinen.

Adoption euro 1

adoption euro2

http://www.snb.ch/ext/stats/balsnb/pdf/defr/A1_Ausweise_der_SNB.pdf

2. Expansionsstrategie um jeden Preis:

Lassen Sie uns zum Vergleich die Bilanz der „Banque de France“ heranziehen, die von 2004 (175 Milliarden Euro https://www.banque-france.fr/fileadmin/user_upload/banque_de_france/publications/Annual_report_2004.pdf, Seite 95) bis Oktober 2014 (521 Milliarden Euro) ebenfalls stark zugelegt hat.

Die Strategien der SNB und der „Banque de France“ sind sich erstaunlich ähnlich. Die SNB scheint sich eng an der Strategie ihrer Pendants und nicht so sehr an den internen Bedürfnissen des Landes zu orientieren.

Wenn man jedoch genauer hinschaut, ist festzustellen, dass die „Banque de France“ – ebenso wie die Europäische Zentralbank EZB – von 2011 (713 Milliarden Euro) bis Oktober 2014 (521 Milliarden
Euro) eine Verschlankung erlebt hat. Dies ist bei der SNB jedoch nicht der Fall: Ihre Bilanz ist von 2011 bis November 2014 von 346 auf 525 Milliarden Franken gewachsen.

adoption euro 3

https://www.banque-france.fr/uploads/tx_bdfgrandesdates/bulletin-de-la-banque-de-france-cahier-statistique-december-2014-en.pdf p 14

3. Struktur mit hochriskanten Anlagen
Die Bilanz der SNB zeugt von einem Faible für die hochriskante europäische Einheitswährung. Derzeit scheint diese Strategie eher ideologischer als währungspolitischer Art zu sein. Fast 50 % der Bilanz sind in auf Euro ausgestellte europäische Staatsschulden investiert, und 25 % in auf US-Dollar ausgestellte US-amerikanische Staatsschulden.
• Wahl des Euro als bilanzbeherrschende Währung

Im Jahr 2003 hatte die SNB den Gegenwert von 19 Milliarden Franken in Euro angelegt. Zum Ende des 3. Quartals 2014 stehen mehr als 210 Milliarden auf dem Spiel. Allein von 2009 bis Oktober 2014 hat sich das Euro-Volumen vervierfacht!

adoption euro 4

http://www.snb.ch/ext/stats/balsnb/pdf/deen/A3_2_Devisenanlagen_der_SNB.pdf
Dieser massive Euro-Ankauf hat lange vor den verfassungsrechtlich und statistisch fragwürdigen Ausführungen vom 6. September 2011 bei der Festlegung des Mindestkurses angefangen.

• Verschlechterte Anlagenstruktur

Wir beobachten ausserdem eine qualitative Verschlechterung der Anlagen. Hierbei ist insbesondere eine zunehmende Verbreitung von Anlagen mit AA-Rating festzustellen. Ein AA-Rating hat jedoch im Jahr 2015 nicht dieselbe Bedeutung wie in den 90er Jahren… Frankreich hat ein AA-Rating, obwohl das Land seinen Verbindlichkeiten kaum nachkommen kann (Probleme mit der Zahlung von Renten, Gehältern…).

Die SNB hat keine Kontrolle über die Verwaltung ihrer Anlagen. Jedes Mal, wenn ein Land der Eurozone herabgestuft wird, verschlechtert sich die Bilanz der SNB automatisch mit. Wenn die SNB beispielsweise französische Staatsschulden im Wert von 50 Milliarden hält, die von AAA auf AA- herabgestuft werden, ändert sich die Bilanzstruktur. Wenn dann noch finnische Staatsschulden im Wert von 10 Milliarden hinzukommen, die von AAA auf AA+ herabgestuft werden, dann ist die Bilanz der SNB angeschlagen…

Die Wirtschaft der Eurozone ist jedoch nach wie vor mit offensichtlichen Ausfallrisiken verbunden, die sich auf die Bilanz der SNB und das Portemonnaie des Schweizer Steuerzahlers auswirken werden.

adoption euro 6
http://www.snb.ch/de/mmr/reference/annrep_2013_komplett/source/annrep_2013_komplett.de.pdf
Am Ende des 3. Trimesters 2014 hat sich die Struktur noch verschlechtert. http://www.snb.ch/de/iabout/assets/id/assets_reserves

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• Hochriskante massive Anlage in Staatsschulden

Die SNB hat sich dafür entschieden, ihre Devisenanlagen fast ausschliesslich in Staatsschulden anzulegen. Dadurch kumuliert sie Risiken des Zahlungsausfalls oder eines von der EU beschlossenen Schuldenerlasses.

Wir können uns von jetzt an sicher sein, dass Griechenland früher oder später ein Schuldenerlass gewährt müssen wird, damit das Land seine Krise überwinden kann. Es stellt sich somit die Frage, was die SNB mit all diesen Euros und europäischen Schulden tun wird, die teilweise offensichtlich toxisch sind? http://www.snb.ch/en/iabout/assets/id/assets_reserves ( Q3/2014)

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B – Die zukünftige Strategie der SNB:
Bedeutet die Abschaffung des Mindestkurses, eine Abschaffung der proeuropäischen Politik der SNB? Antwort lautet eindeutig: nein! Unsere Zentralbank könnte tatsächlich weiterhin den Euro und die Eurozone durch den massiven Ankauf öffentlicher Obligationen unterstützen, die jetzt 20% billiger geworden sind. Dadurch würde sie tatsächlich ihre eigene Bilanz unterstützen.
Vor kurzer Zeit haben die SNB und ihre Partner klar gemacht, dass die Bank nicht zögern wird, ihre Unterstützung für die EZB in der nahen Zukunft fortzusetzen. Diese letzte hat ihrerseits die Bereitstellung von weiteren 1000 Milliarden Euro zur Ankurbelung der Wirtschaft angekündigt. Der Chefökonom der UBS hat im Radio sogar klargestellt, dass die SNB die gesamten europäischen Staatsschulden problemlos aufkaufen könnte, und dass sie sowieso von der EZB abhängig sei…
http://www.rts.ch/la-1ere/programmes/forum/6134684-cours-de-l-euro-la-bns-pourrait-elle-introduire-des-taux-negatifs-18-09-2014.html?f=player%2Fpopup
Kurz gesagt hat die SNB eine Reihe politischer Entscheidungen getroffen, die sich auf das Land, die Bürger und die Steuerzahler sowie auf deren Zukunft auswirken werden, ohne dass diese Institution dafür bekanntermassen ein Mandat vom Bund erhalten hat. Sie steckt derzeit in einem Teufelkreis, bei dem nicht klar ist, wie sie sich daraus lösen kann. Wie weit wird die SNB den Euro bei seinem Niedergang begleiten?
Wie lange kann sie jedoch ihre aufgeblähte Bilanz aufrechterhalten, ohne ihre Glaubwürdigkeit völlig zu verlieren? Solange sie auf den Mindestkurs fixiert blieb, wurden ihre schwindelerregenden Verluste nicht realisiert. Man kann aber einschätzen, dass am 15. Januar ein Loch von etwa 75 Milliarden* Franken in ihrer Bilanz entstanden ist.
Jene die seit einigen Tagen gehofft hatten, in den Genuss einer lang erwarteten Dividende zu kommen, werden ihre Forderungen völlig revidieren müssen. Eine Ausschüttung kann man sich bei einem Verlust in der Höhe von etwa 12 Milliarden kaum vorstellen. Es ist aber auch wahr, dass dieser Betrag sich noch verändern wird – in welche Richtung bleibt es noch zu sehen.
Diese Abschaffung des Mindestkurses ist vielleicht auch ein Vorzeichen für einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone, oder eines Schuldenerlasses…
Also sollte man sich in der Schweiz auf schwierige Zeiten vorbereiten, um diese Verluste zu begleichen. Wer könnte sich tatsächlich vorstellen, dass ein negatives Eigenkapital der Zentralbank ohne Folgen für die Glaubwürdigkeit des Finanzplatzes Schweiz wäre?
* Kumilierter Verlust auf USD und EUR Anlagen
Liliane Held-Khawam
Quelle (auf Französisch) : Le franc suisse retrouve une liberté plombée par une gestion suicidaire, Le Blog de Liliane Held-Khawam,
https://lilianeheldkhawam.wordpress.com/2015/01/15/le-franc-suisse-retrouve-une-liberte-plombee-par-une-gestion-suicidaire/

Une réflexion sur “Wie eine selbstmörderische Verwaltung die neugewonnene Freiheit der Schweizer Währung verdunkelt

  1. Pingback: Le franc suisse retrouve une liberté plombée par une gestion suicidaire | Le blog de Liliane Held-Khawam

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